Wofür wir Gesangstechnik brauchen

Aktualisiert: 3. Mai 2020

Für Sänger ist Gesangstechnik essenziell wichtig, weil sie auch einen guten Job machen müssen, wenn sie einen schlechten Tag haben oder krank sind. Ein Sänger kann erst langfristig in seinem Beruf bestehen, wenn er wirklich weiß, was er macht, wenn er gut singt, damit er auch gut singen kann, wenn sein Körper nicht so funktioniert, wie er es an guten Tagen tut. Gesangstechnik zielt darauf ab, dem Sänger verschiedene körperlich-muskuläre Abläufe bewusst zu machen und die Prozesse, die hilfreich sind, immer wieder zu wiederholen, dass sie sich (ggf. entgegen der eigenen Intuition) automatisieren und so zu einer neuen Gewohnheit werden. So, wie wir im alltäglichen Leben unsere Stimme gebrauchen, funktioniert sie gut für uns. Aber wollen wir sie zum Singen benutzen kann es sein, dass wir über Jahre eingeprägte Gewohnheiten loslassen müssen. Das hat allein schon mit der Stimmlage zu tun: Wenn wir sprechen benutzen wir nur einen Bruchteil unserer Stimmlage, einen eher tiefer angesiedelten Teil. Wenn wir singen benutzen wir einen sehr viel größeren Bereich unseres Stimmumfangs. Manche Menschen haben Glück und haben sich intuitiv vorteilhafte Gewohnheiten angeeignet: Menschen, die wir gern als „Naturtalente“ bezeichnen. Andere Menschen haben sich weniger optimale muskuläre Abläufe angewöhnt. Das passiert z.B. wenn man als Baby in eine Familie hineingeboren wurde, wo Mutter und/ oder Vater Stimmprobleme haben und oft heiser sind. Kinder imitieren das Verhalten der Eltern und genauso den Klang der Stimme. Es kann aber auch sein, dass ein Mensch ein traumatisches Erlebnis erfahren musste (z.B. Unfall/ Verlust eines geliebten Menschen) und sich dieses Erlebnis auf die Stimme niedergeschlagen hat. Oft genug passiert es jedoch, dass Kindern gesagt wird: „Du kannst nicht singen!“ oder „Sei still, du klingst ja schrecklich!“ oder sie im Musikunterricht vom Lehrer entmutigt werden. Das ist schlimm für ein Kind. Und selbst wenn tatsächlich nicht sehr viel angeborenes Talent vorhanden zu sein scheint, ist es doch wichtig, das Kind ausprobieren zu lassen und es zu bestärken in dem, was es tut. Denn nur wenn es übt, kann es besser werden – und Kinder üben auf die effektivste Art (und dabei wissen sie meistens nicht mal, dass sie üben): mit Enthusiasmus und Mut und Selbstverständlichkeit. Wenn sie vollkommen in ihrem Element sind bzw. gänzlich vertieft in ein Spiel, denken sie nicht darüber nach, ob ihr Gesang vielleicht schief oder hässlich oder wie auch immer klingen könnte -


sie singen einfach!


Sie singen, weil sie Spaß daran haben und das ist doch ganz wunderbar! So offen, frei und mutig wie Kinder singen, so wünsche ich meinen Schülern, dass sie singen und üben: Immer mit Leichtigkeit, Spaß, Leidenschaft und in Freiheit. Auf dass sich diese Gefühle auf unseren Alltag übertragen!

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